Darlie Routier

Darlie Lynn Routier wird am 04. Januar 1970 als das erste Kind von Darlie und Larry Peck in Altoona (Pennsylvania) geboren. Als sie sieben Jahre alt ist, wird die Ehe ihrer Eltern geschieden. Ein Jahr später heiratet ihre Mutter Dennis Stahl. Darlies lebt noch einige Jahre bei ihrem Vater Larry, bis sie später zu ihrer Mutter nach Lubbock (Texas) zieht, die in der Zwischenzeit schon zwei weitere Töchter geboren hat. Darin Routier, ihren späteren Ehemann, lernt sie bereits als Jugendliche kennen. Dieser geht später nach Dallas und studiert Elektrotechnik. Nach ihrem Highschoolabschluß folgt die attraktive Darlie ihrem Freund in die Großstadt. Im August 1988 heiraten die beiden und Darin macht sich, nach einigen Jahren Berufserfahrung, im damals boomenden Elektroniksektor selbständig.
Darlie gebährt drei Kinder: Devon, Damon und Drake. Die Firma macht gute Gewinne, und die Routiers können sich viel Luxus leisten. Außer dem elegantem Haus besitzt das junge Paar auch ein Boot.
Am 06.06.1996 verändert sich das bisherige Leben der Routiers. Es ist gegen 2:30 Uhr morgens als in der Notrufzentrale des Rowlett Police Department der Anruf einer hysterischen Frau eingeht. Sie behauptet ein Mann wäre ins Haus eingedrungen, und dieser hätte auf ihre Kinder und sie mit einem Messer eingestochen. Es ist Darlie Routier! Wenige Minuten später trifft die Polizei am Ort des Verbrechens ein. Den Beamten eröffnet sich ein grauenhaftes Bild. Die beiden Kinder der Routiers Damon und Devon (5 und 6 Jahre alt) liegen auf dem Wohnzimmerboden. Devon ist schon tot und Damon stirbt wenige Minuten später. Darlie Routier ist selbst schwer verletzt, scheint die Wunden aber nicht wahrzunehmen. Die Szene ist so schrecklich, dass selbst gestandene Polizeibeamte sich übergeben müssen. Das Gebiet wird weiträumig abgesperrt und die Beamten untersuchen das Haus und die Gegend. Etwa 70 Meter vom Tatort finden sie eine blutige Socke; es stellt sich später heraus, daß es das Blut der beiden Kinder ist. Darlie Routier wird sofort ins Krankenhaus gebracht und operiert. Schon wenige Stunden später vernimmt die Polizei, trotz der Nachwirkungen der Medikamente, Darlie. Sie erzählt, dass Darin und ihr Säugling im oberen Schlafzimmer waren, während sie mit den Kindern unten im Wohnzimmer eingeschlafen war. Gegen 2:30 Uhr sei sie durch einen Stoß an ihre rechte Schulter aufgewacht. Damon habe "mommy" gerufen. In diesem Augenblick sieht sie die Silouhette eines Mannes, der durch die Küche flüchtet. Sie sei ihm gefolgt und habe im Vorratsraum ein blutiges Messer auf dem Fußboden gesehen, aufgehoben und anschließend in der Küche auf den Tresen gelegt. Ganz benommen gibt sie allerdings die Verfolgung auf und geht ins Wohnzimmer zurück. Sie schaltet das Licht ein und sieht die Unmengen an Blut. Dort habe sie dann das ganze Ausmaß erst begriffen und angefangen zu schreien.
Die Polizei hat Zweifel, ob diese Version stimmt, denn was sie stört ist nicht nur die Tatsache, dass Frau Routier weiterhin behauptet sie habe geschlafen, als auf sie eingestochen wurde und habe deshalb die Wunden gar nicht wahrgenommen, vielmehr sind die Beamten der Ansicht, daß zu wenig Blutspuren nach außen führen. Und schließlich ist nichts gestohlen worden. Frau Routier steht unter dringendem Tatverdacht.
Am 14. Juni 1996 wäre Devons Geburtstag gewesen. An diesem Tage findet eine sehr tränenreiche Trauerfeier für die ermordeten Kinder statt. Anschließend geht die Familie zum Grab von Devon, welches mit Luftballons geschmückt ist. Dana -Darlies Schwester- überredet die trauernde Mutter das Grab ihres Sohnes mit "silly string" zu besprühen, weil dieser es geliebt habe (Anmerkung: "silly string" ist eine Spraydose, die beim Sprühen einen farbenreichen Schaumstoff ausstößt). Und so geschieht es dann auch. Was niemand der Gäste weiß: Das Rowlett Police Department hat eine Kamara und eine Wanze am Grab angebracht und filmt die ungewöhnliche Aktion, in der Hoffnung ein Geständnis zu hören. Damit steht für die Polizei endgültig fest, daß Darlie Routier Ihre Kinder kaltblütig ermordet hat, um ihre Freiheit wiederzugewinnen. "Niemand, der trauert, tut sowas", wird die Staatsanwaltschaft später zitiert. Am 18. Juni wird Darlie wegen des Mordes an ihren Kindern verhaftet.
Der Fall wird zum Medienereignis. Kamarateams aus den ganzen USA berichten live aus Rowlett, und das Thema beherrscht die Titelseite aller Tageszeitungen. Die Staatsanwaltschaft kündigt sofort an, die Todesstrafe zu fordern. Anklage erhebt sie nur wegen der Ermordung Damons. Hier gibt es die Tatwaffe, denn das Messer mit dem Devon erstochen worden ist, bleibt verschollen; ferner hat sie noch ein "As im Ärmel", falls Darlie freigesprochen werden sollte oder "nur" zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Wegen dem starken Medieninteresse wird der Fall in das benachbarte Kerrville verlegt, um der Angeklagen einen fairen Prozeß zu gewähren. Die Staatsanwaltschaft weiß aber auch, dass sie einige Erklärungsschwierigkeiten haben wird. Erstens hat die Polizei etwa 70 m vom Haus entfernt die blutige Socke gefunden, die mit dem Blut der Kinder verschmiert gewesen ist. Bis heute kann niemand erklären wie diese Socke dorthin gelangt ist, weil der Aspekt Zeit einfach nicht mit der Idee zusammenpasst, dass Darlie die Morde begangen hat. Zweitens bleibt die zweite Tatwaffe verschwunden, denn selbst die ehrgeizigste Untersuchung des Hauses und der Umgebung ist erfolglos geblieben. Drittens ist das angebliche Motiv, nämlich "Wiedererlangen der Freiheit" etwas "dünn". Aber sie weiß auch, dass das "silly string" Video ein schweres Geschütz ist.
Die Strategie geht auf, denn niemand der Geschworenen kann sich vorstellen, dass eine trauernde Mutter sich so verhält. Darlie wird zum Tode durch die Giftspritze verurteilt. Sie ist heute in der Todeszelle von Gatesville (Texas).
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Gedanken der Redaktion
Frau Routier beteuert weiterhin ihre Unschuld. Und dies ist auch mehr als wahrscheinlich, denn ganz abgesehen von fehlenden forensischen Beweisen und einer katastrophalen Ermittlungsarbeit gibt es einfach kein Motiv. Ferner spielt der Zeitfaktor eine große Rolle für ihre Unschuld. Es gibt viele Theorien bezüglich der Morde. Eine davon ist, dass Darin es getan haben soll. In diesem Falle würde Darlie den Mörder also kennen, ihn aber decken. Warum sie das tut kann die Theorie, die als abwegig zu bezeichnen ist, nicht erklären. Selbst die Polizei von Rowlett hält dies für ausgeschlossen. Eine weitere geht von einer Satanssekte aus, weil das Datum drei mal die Zahl "sechs" enthält (06.06.1996). Das würde zumindest erklären warum Messer als Waffen eingesetzt worden sind und nicht Revolver mit Schalldämpfer, denn Teufelsopferungen müssen mit dem Messer oder dem Schwert vollzogen werden. Eine weitere Theorie besagt, dass der Sohn des ermittelnden Detective die Tat begangen haben soll. Er soll sich wenige Tage vorher auffällig oft in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben. Der Redaktion liegt es fern bestimmte Personen mit dem Kapitalverbrechen in Verbindung zu bringen. Daher werden wir diesen Punkt nicht kommentieren.
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